Hier erhalten Sie wissenschaftlich fundierte und verlässliche Informationen zum Thema Bildgebung bei Schmerzen des Bewegungsapparates.

Was sind Schmerzen des Bewegungsapparates?

Schmerzen des Bewegungsapparates betreffen Knochen, Muskeln, Gelenke, Bänder oder Sehnen. In der medizinischen Fachsprache werden diese Schmerzen auch „muskuloskelettale Schmerzen“ genannt.
Bis zu 60 % der Deutschen berichten von Schmerzen des Bewegungsapparates in den letzten 12 Monaten.1

Was sind bildgebende Verfahren?

Bildgebende Verfahren sind Untersuchungen, bei denen das Körperinnere mit Hilfe von Geräten bildlich dargestellt wird. Zu den häufigsten Verfahren zählen Röntgenaufnahmen, Computertomografien (CT), Magnetresonanztomografien (MRT) sowie Ultraschalluntersuchungen.
Welches Verfahren genutzt wird, hängt davon ab, was untersucht werden soll (z.B. Knochen oder Bänder).

Was ist der Grund für meine Schmerzen?

Für Schmerzen des Bewegungsapparats kommen vielfältige Gründe in Frage. Schmerzen können beispielsweise durch Verletzungen, Fehl- oder Überbelastungen entstehen. Aber auch Stress, verspannte Muskulatur oder mangelnde Bewegung sind mögliche Gründe. Das Gespräch mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin und ggf. eine körperliche Untersuchung können dabei helfen Ihre Beschwerden einzugrenzen.

Welche Untersuchungen brauche ich?

  • Ihr Hausarzt/Ihre Hausärztin führt mit Ihnen zunächst ein Gespräch. Dabei möchte Ihr Arzt/Ihre Ärztin möglichst viel über Ihre Schmerzen erfahren, um die Beschwerden einzugrenzen.
  • Danach folgt in der Regel eine körperliche Untersuchung. Ihr Hausarzt/Ihre Hausärztin schaut sich die betroffene Region genau an und untersucht, ob und inwieweit die Beweglichkeit eingeschränkt ist.
  • Anschließend wird ein individueller Behandlungsplan erstellt. Dieser kann z.B. schmerzlindernde Medikamente, bestimmte Bewegungen oder die Überweisung zur Physiotherapie enthalten.
  • In der Regel sind danach keine weiteren Untersuchungen wie bildgebende Verfahren nötig.

In welchen Situationen ist eine Bildgebung sinnvoll?2 3

  • Es liegen Warnzeichen vor, die einer weiteren Abklärung bedürfen (z.B. Lähmung, starke Schwellung). Dies wird im Gespräch und der körperlichen Untersuchung durch Ihren Arzt/Ihre Ärztin geprüft.
  • Die übliche Behandlung hilft nicht.
  • Die Schmerzen verschlimmern sich stark ohne erkennbaren Grund.
  • Die Bildgebung hat eine Konsequenz, d.h., ihr Ergebnis beeinflusst voraussichtlich die Behandlung.
    Mögliche Konsequenzen einer Bildgebung sind z.B. die Ruhigstellung des betroffenen Bereiches, eine Schmerztherapie (z.B. die Verschreibung schmerzlindernder Medikamente) oder eine Operation.

Wichtig:

Eine Bildgebung ist dann sinnvoll, wenn sie die Behandlung beeinflusst, also eine Konsequenz hat. Das bedeutet, das Bild zeigt, was als Nächstes getan werden sollte. Z.B., ob eine Operation nötig ist oder ob eine andere Behandlung sinnvoll ist. Häufig lässt sich dies jedoch bereits nach dem Gespräch und der körperlichen Untersuchung entscheiden.

Warum sollte eine Bildgebung nicht ohne medizinische Begründung erfolgen?

Der Einsatz bildgebender Verfahren ist häufig nicht nötig. Studien zeigen, dass eine frühe Bildgebung keine Vorteile in Bezug auf Schmerzen, Funktion oder Lebensqualität bringt.4 Bei einer Bildgebung werden häufig altersbedingte Veränderungen wie Verschleiß oder Abnutzungen gesehen. Viele dieser Veränderungen sind normal und haben nichts mit den aktuellen Schmerzen zu tun.5 Solche Bildbefunde können jedoch verunsichern und dazu führen, dass man sich weniger bewegt. Dadurch können die Schmerzen sogar schlimmer werden. Ein Bild allein sagt also nicht immer etwas darüber aus, ob der schmerzende Bereich richtig funktioniert!

Studien zeigen darüber hinaus, dass Bilder nicht immer die Funktion eines schmerzenden Bereichs widerspiegeln. Einige Beispiele:

Rücken

Etwa 30 % der 20-Jährigen und mehr als 80 % der 80-Jährigen haben eine vorgewölbte Bandscheibe, obwohl sie keine Beschwerden haben.6

Knie

Bei über 40 % der schmerzfreien über 40-Jährigen findet man im MRT Anzeichen von Kniearthrose, wie Knorpelschäden, Meniskusrisse oder Knochenverletzungen.7

Schulter

Bei einer Bildgebung der Schulter findet man altersbedingte Veränderungen genauso oft bei schmerzfreien Schultern wie bei schmerzhaften Schultern.8

Hüfte

Bei über 70 % der schmerzfreien Erwachsenen findet man im MRT altersbedingte Veränderungen der Hüfte.9

Wichtig:

Ein Bild sagt nicht immer etwas darüber aus, ob der schmerzende Bereich richtig funktioniert. Daher sollte man vorsichtig sein, wenn man aus einem Bild Rückschlüsse auf die Ursache der Schmerzen zieht oder eine Operation veranlasst.

Gut vorbereitet ins Gespräch

Eine Vorbereitung auf das Gespräch mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin ist nicht nötig. Trotzdem kann es helfen, sich vorher ein paar Gedanken zu machen:

  • Warum gehe ich zum Arzt/zur Ärztin?
  • Was erwarte ich von dem Gespräch?
  • Was tut weh? Wo, seit wann, in welchen Situationen?
  • Was habe ich selbst schon ausprobiert, um die Schmerzen zu lindern (z.B. Medikamente, Wärme)?

Fragen, die Sie stellen können:

  • Was könnte die Ursache meiner Schmerzen sein?
  • Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
  • Was kann ich selbst tun?
  • Wann soll ich wiederkommen, wenn meine Schmerzen nicht besser werden?

Wo erhalte ich weitere evidenzbasierte Informationen?

Spezifische und evidenzbasierte Informationen zu verschiedenen Schmerzen des Bewegungsapparates erhalten Sie unter www.gesundheitsinformation.de, einer Website des IQWiG. Hier gelangen Sie direkt zum Bereich Muskel und Gelenkerkrankungen.
Informationen zum Thema Kreuzschmerz finden Sie auch unter https://ruecken.tala-med.info/ einem Angebot des Universitätsklinikums Freiburg.

Literaturverweise

  1. Kohlmann, T. Muskuloskelettale Schmerzen in der Bevölkerung. Schmerz 17, 405–411 (2003). https://doi.org/10.1007/s00482-003-0250-x ↩︎
  2. Karel, Y. H., Verkerk, K., Endenburg, S., Metselaar, S., & Verhagen, A. P. (2015). Effect of routine diagnostic imaging for patients with musculoskeletal disorders: a meta-analysis. European journal of internal medicine, 26(8), 585-595. https://doi.org/10.1016/j.ejim.2015.06.018 ↩︎
  3. Lin, I., Wiles, L., Waller, R., Goucke, R., Nagree, Y., Gibberd, M., … & O’Sullivan, P. P. (2020). What does best practice care for musculoskeletal pain look like? Eleven consistent recommendations from high-quality clinical practice guidelines: systematic review. British journal of sports medicine, 54(2), 79-86. https://doi.org/10.1136/bjsports-2018-099878 ↩︎
  4. Karel, Y. H., Verkerk, K., Endenburg, S., Metselaar, S., & Verhagen, A. P. (2015). Effect of routine diagnostic imaging for patients with musculoskeletal disorders: a meta-analysis. European journal of internal medicine, 26(8), 585-595. https://doi.org/10.1016/j.ejim.2015.06.018 ↩︎
  5. Chou, R., Deyo, R. A., & Jarvik, J. G. (2012). Appropriate use of lumbar imaging for evaluation of low back pain. Radiologic Clinics, 50(4), 569-585. https://doi.org/10.1016/j.rcl.2012.04.005 ↩︎
  6. Brinjikji, W., Luetmer, P. H., Comstock, B., Bresnahan, B. W., Chen, L. E., Deyo, R. A., … & Jarvik, J. G. (2015). Systematic literature review of imaging features of spinal degeneration in asymptomatic populations. American journal of neuroradiology, 36(4), 811-816. https://doi.org/10.3174/ajnr.A4173 ↩︎
  7. Culvenor, A. G., Øiestad, B. E., Hart, H. F., Stefanik, J. J., Guermazi, A., & Crossley, K. M. (2019). Prevalence of knee osteoarthritis features on magnetic resonance imaging in asymptomatic uninjured adults: a systematic review and meta-analysis. British journal of sports medicine, 53(20), 1268-1278. https://doi.org/10.1136/bjsports-2018-099257 ↩︎
  8. Ibounig, T., Sanders, S., Haas, R., Jones, M., Järvinen, T. L., Taimela, S., … & Buchbinder, R. (2024). Systematic Review of Shoulder Imaging Abnormalities in Asymptomatic Adult Shoulders (SCRUTINY): Abnormalities of the Glenohumeral Joint. Osteoarthritis and Cartilage. https://doi.org/10.1016/j.joca.2024.06.001 ↩︎
  9. Register, B., Pennock, A. T., Ho, C. P., Strickland, C. D., Lawand, A., & Philippon, M. J. (2012). Prevalence of abnormal hip findings in asymptomatic participants: a prospective, blinded study. The American journal of sports medicine, 40(12), 2720-2724. https://doi.org/10.1177/0363546512462124 ↩︎

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