Die Versorgung von Patient*innen mit muskuloskelettalen Schmerzen sollte patientenzentriert sein, wobei die individuelle Lebenssituation, Bedürfnisse und Präferenzen im Fokus stehen. Eine zentrale Rolle spielen eine effektive Kommunikation sowie die gemeinsame Entscheidungsfindung (Shared Decision Making).1
Die patientenzentrierte Konsultation kann in drei Phasen unterteilt werden: eine Phase in der der*die Patient*in aktiv ist, eine Phase in der der*die Ärzt*in aktiv ist und in eine Phase in der sowohl Patient*in als auch Ärzt*in aktiv sind.

Hier erhalten Sie mehr Informationen zu den drei Phasen der patientenzentrierten Konsultation.
Wie kann eine patientenzentrierte Kommunikation zum Thema Bildgebung aussehen?
Techniken, die Sie in der Kommunikation mit Patient*innen verwenden können5:
- Nehmen Sie sich zunächst Zeit, die Anliegen und Erwartungen Ihres*Ihrer Patient*in zu verstehen, bevor Sie auf die Symptome eingehen.
- Validieren Sie Sorgen und Emotionen des*der Patient*in und entlasten Sie durch eine Normalisierung der Situation.
- Erklären Sie verständlich, welche unauffälligen bzw. beruhigenden Befunde sich aus Anamnese und körperlicher Untersuchung ergeben.
- Begründen Sie nachvollziehbar, warum Sie aktuell keine bildgebende Diagnostik empfehlen – etwa weil potenzielle Risiken den Nutzen überwiegen.
- Besprechen Sie flexibel, wie ein Behandlungsplan ohne Bildgebung aussehen kann.
- Gehen Sie gezielt auf verbleibende Unsicherheiten oder offene Fragen ein.
Im Folgenden finden Sie zwei Videobeispiele, wie eine gelungene Kommunikation in herausfordernden Situationen aussehen kann:
Beispiel 1:
Beispiel 2:
Konkrete Formulierungsbeispiele, die Sie in der Kommunikation mit Patient*innen verwenden können:
„Ich werde Ihnen nun einige Fragen zu Ihren Symptomen stellen und Sie anschließend untersuchen. Danach können wir gemeinsam entscheiden, ob eine Bildgebung in Ihrem Fall sinnvoll ist.“
„Nur, weil die Schmerzen sehr stark sind, muss die Ursache nichts Schlimmes sein.“
„Überlegen wir uns doch mal, was eine Bildgebung zur Folge hätte […] . Eine Bildgebung hätte in Ihrem Fall keine Konsequenz und ist daher nicht sinnvoll.“
„Wichtig bei einer Bildgebung ist, dass wir aus dem Ergebnis eine sinnvolle Konsequenz ableiten können.“
„Sind Ihre Schmerzen so stark, dass eine Operation für Sie in Frage kommt? Andere Behandlungswege können wir auch gut ohne eine Bildgebung einleiten. Eine Bildgebung hätte in Ihrem Fall keine Konsequenz und ist daher nicht sinnvoll.“
„Wenn wir eine Bildgebung machen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass wir etwas finden. Dies muss aber nicht unbedingt der Grund für Ihre Schmerzen sein. Z.B. […] .“ –> Beispiele aus Studien finden Sie gleich unter dem Kasten
„Der Schmerz leuchtet nicht einfach im Bild auf.“
„Es geht darum die Schmerzen selbst zu behandeln und nicht das Bild davon. Ein Bild ist dazu häufig gar nicht nötig.“
„Es geht nicht darum, Ihnen etwas vorzuenthalten.“
„Wichtig ist, dass wir eine sinnvolle Entscheidung treffen, die auf Ihre Situation zugeschnitten ist.“
„Ich schlage vor, dass Sie in […] Wochen wiederkommen. Danach können wir erneut entscheiden, ob eine Bildgebung sinnvoll ist.“
Einige Studienbeispiele zeigen, dass Bilder nicht immer die tatsächliche Funktion eines schmerzenden Bereichs widerspiegeln:
Literaturverweise
- Lin, I., Wiles, L., Waller, R., Goucke, R., Nagree, Y., Gibberd, M., … & O’Sullivan, P. P. (2020). What does best practice care for musculoskeletal pain look like? Eleven consistent recommendations from high-quality clinical practice guidelines: systematic review. British journal of sports medicine, 54(2), 79-86. https://doi.org/10.1136/bjsports-2018-099878 ↩︎
- Lin, I., Wiles, L., Waller, R., Goucke, R., Nagree, Y., Gibberd, M., … & O’Sullivan, P. P. (2020). What does best practice care for musculoskeletal pain look like? Eleven consistent recommendations from high-quality clinical practice guidelines: systematic review. British journal of sports medicine, 54(2), 79-86. https://doi.org/10.1136/bjsports-2018-099878 ↩︎
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- Abbildung in Anlehnung an: https://ruecken.tala-med.info/arzt/konsultation/partizipation/ ↩︎
- Fenton JJ, Kravitz RL, Jerant A, Paterniti DA, Bang H, Williams D, Epstein RM, Franks P. Promoting Patient-Centered Counseling to Reduce Use of Low-Value Diagnostic Tests: A Randomized Clinical Trial. JAMA Intern Med. 2016 Feb;176(2):191-7. doi: 10.1001/jamainternmed.2015.6840. ↩︎
- Brinjikji, W., Luetmer, P. H., Comstock, B., Bresnahan, B. W., Chen, L. E., Deyo, R. A., … & Jarvik, J. G. (2015). Systematic literature review of imaging features of spinal degeneration in asymptomatic populations. American journal of neuroradiology, 36(4), 811-816. https://doi.org/10.3174/ajnr.A4173 ↩︎
- Culvenor, A. G., Øiestad, B. E., Hart, H. F., Stefanik, J. J., Guermazi, A., & Crossley, K. M. (2019). Prevalence of knee osteoarthritis features on magnetic resonance imaging in asymptomatic uninjured adults: a systematic review and meta-analysis. British journal of sports medicine, 53(20), 1268-1278. https://doi.org/10.1136/bjsports-2018-099257 ↩︎
- Ibounig, T., Sanders, S., Haas, R., Jones, M., Järvinen, T. L., Taimela, S., … & Buchbinder, R. (2024). Systematic Review of Shoulder Imaging Abnormalities in Asymptomatic Adult Shoulders (SCRUTINY): Abnormalities of the Glenohumeral Joint. Osteoarthritis and Cartilage. https://doi.org/10.1016/j.joca.2024.06.001 ↩︎
- Register, B., Pennock, A. T., Ho, C. P., Strickland, C. D., Lawand, A., & Philippon, M. J. (2012). Prevalence of abnormal hip findings in asymptomatic participants: a prospective, blinded study. The American journal of sports medicine, 40(12), 2720-2724. https://doi.org/10.1177/0363546512462124 ↩︎



